Digitale Souveränität und Produktarchitektur

Autor: Oliver Hankeln

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Heute habe ich ein eher politisches Thema, das aber dennoch Parallelen zur Arbeit an der Produktarchitektur aufweist. Auf dem Agile Castle Camp letztes Wochenende habe ich eine Session zum Thema “Digitale Souveränität” initiiert. Das Thema fand regen Anklang und ich habe mich sehr über die spannende Diskussion gefreut.

Dabei haben wir auch über europäische Alternativen zu den Big-Tech-Angeboten gesprochen. Aus Gründen des Datenschutzes stellen diese eine Verbesserung dar. Mir geht das aber noch nicht weit genug. Ein europäisches Google oder ein europäisches Amazon wäre genauso schlecht wie die Originale. Das Problem ist nicht, dass die Anbieter aus den USA kommen, sondern dass sie so viel Marktmacht konzentrieren, dass wir uns in eine Abhängigkeit begeben.

Und hier komme ich zu den Parallelen zwischen Digitaler Souveränität und Produktarchitektur: Die Welt und die Probleme, mit denen wir zu tun haben, sind komplex. Das bedeutet, dass wir nicht vorhersagen können, welche unserer Entscheidungen sich bewähren und welche wir verändern müssen. Lösungen, die heute gut funktionieren, können schon morgen ein Problem darstellen. Deshalb müssen wir es vermeiden, uns von einzelnen Entscheidungen abhängig zu machen. In der Software-Architektur machen wir das häufig, indem wir auf offene Standards setzen, die es uns ermöglichen, darunter liegende Entscheidungen leicht zu revidieren. Ähnliche Lösungen brauchen wir auch auf größerer Ebene. Hier können föderierte Ansätze helfen: Mastodon ersetzt z.B. Twitter - aber es gibt keine Einzelperson, die es kontrolliert. Vielmehr besteht es aus vielen verschiedenen Servern, die miteinander kommunizieren. Das ist ein bisschen wie Email: Alle können sich schreiben, unabhängig, von wem man seine Emailadresse bekommen hat.

Dabei gefällt uns als Flowdaptic der Digital Independence Day ziemlich gut. Er geht nämlich ähnlich iterativ und agil vor wie wir es in der Architekturarbeit auch machen: in kleinen Schritten Anhängigkeiten sichtbar machen und reduzieren. Und hier begegnen uns die aus DevOps bekannten Babysteps wieder: Weder technische noch organisatorische oder gesellschaftliche Abhängikeiten lassen sich von heute auf morgen loswerden. Aber: Wir können immer einen kleinen Schritt in die richtige Richtung gehen.

Übrigens: Am 5. April ist der nächste Digital Independence Day!

Was meinst Du? Liege ich total daneben und die Abhängigkeit von einer Handvoll Konzerne ist gar kein Problem? Oder wenn doch: Was tust Du, um sie zu reduzieren? Ich freue mich auf den Austausch!

P.S. Die tolle Visualisierung der Open Space Session ist von Marianne Rady - Vielen Dank dafür!